Jahresbericht 2018

Klimafreundlich Heizen und Kühlen mit Beton

Beton ist ein hervorragender Wärmespeicher und Wärmeleiter und kann daher zum Heizen und Kühlen von Gebäuden genutzt werden. Wie das geht? In Betonbauteile mit großer Oberfläche werden Rohrleitungen eingelegt. Durch diese wird je nach Bedarf warmes oder kühles Wasser geleitet, das die Wärme oder Kälte an den Beton abgibt. Der Beton wird dadurch als Speichermasse und Übertragungsfläche thermisch aktiviert. Techniker sprechen von Thermischer Bauteilaktivierung (TBA) bzw. Betonkernaktivierung.

Die VÖZ hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Forschungsprojekte initiiert und gemeinsam mit Kooperationspartnern zur Weiterentwicklung, Standardisierung und Verbreitung der TBA beigetragen. Insbesondere hat sie das Potenzial von Beton zur Einlagerung und Speicherung von Energie aus erneuerbaren Quellen (Wind, Sonne) in Phasen des Überangebots ausgelotet.

Auszeichnungen wie der Energy Globe Award 2018 des Landes Salzburg oder die Nominierung für den Staatspreis Umwelt und Entwicklung 2018 für
die ARGE Bauteilaktivierung bestätigen, dass dieses Potenzial zunehmend
erkannt wird. Besonders erfreulich ist, dass es in der Baupraxis auch immer
häufiger realisiert wird.

Nachstehend stellen wir mehrere Projekte vor, bei denen Bauteile aus
Beton mit Energie aus erneuerbaren Quellen thermisch aktiviert werden.

Gebäude als netzdienliche Speicher – Abschluss des „Stadt der Zukunft“- Monitoringprojekts

Das Monitoring in den Jahren 2016–2018 hat gezeigt, dass mit der Bauteilaktivierung der Wärme-Energiebedarf des Einfamilienhauses H großteils zu jenen Zeiten gedeckt werden konnte, in denen erneuerbarer Windstrom im Überschuss und demnach kostengünstig zur Verfügung stand. Die Bauteilaktivierung schafft somit die Voraussetzungen für eine wirksame Energieflexibilität von Gebäuden. Drei Viertel der Wärmeproduktion der Wärmepumpe stammen aus regenerativer Erdwärme, das verbleibende Viertel stammte zu 80 % aus Überschuss-Windstrom. Das Haus H kommt so einer Versorgung mit 100 % erneuerbarer Wärme sehr nahe. Endbericht in der bmvit-Schriftenreihe 13/2019 www.nachhaltigwirtschaften.at

Demonstrationsprojekt MGG22

Das Wohnquartier mit 160 Wohneinheiten in der Mühlgrundgasse in Wien 22, nur wenige Gehminuten von der Station Stadlau (U2, S-Bahn, Bahn) entfernt, bildet – trotz dreier Bauplätze – ein städtebauliches Ensemble mit Plätzen, Höfen und essbaren Pflanzen. Erstmalig realisiert wurde im sozialen Wohnbau in Wien die synergetisch-ökologische Kombination aus 100 % erneuerbarer Energie (davon mehr als 80 % Wind-Überschuss-Strom), Erdwärme (Tiefensonden) und thermischer Bauteilaktivierung: Die Geschoßdecken aus Beton werden zum kostengünstigen Heizen und Kühlen und zugleich als Energiespeicher für Windstrom genutzt. Fertigstellung Herbst 2019. www.mgg22.at

Wohnhausanlage Sommerein

Bei den 14 Reihenhäusern und 22 Wohnungen im Wohnpark Wolfsbrunn in Sommerein wird die thermische Bauteilaktivierung erstmals im sozialen Wohnbau in Niederösterreich eingesetzt. Erneuerbare Energie aus nahe-gelegenen Windparks der EVN wird in die massiven Bauteile eingespeichert und je nach Bedarf in Form von angenehmer Kühlung oder Strahlungswärme an die Wohnräume abgegeben. Das Konzept der speichernden Bauteilaktivierung zum Heizen und Kühlen wird zum Meilenstein in der Dekarbonisierung des Sektors Raumwärme. Fertigstellung erster Bauabschnitt Herbst 2019. www.zement.at/sommerein